Auch Polizisten dürfen Tattoos tragen

Tattoos als Körperschmuck lösen immer noch kontroverse Gefühle bei Betrachtern aus. Während manche Zeitgenossen die Körperbemalung schon als völlig normal empfinden oder ästhetische Freude daran haben, lehnen andere den tätowierten Menschen ab, weil sie bei ihm extreme Gesinnung fürchten. In früheren Zeiten trugen Seeleute, aber auch Insassen von Haftanstalten und Mitglieder von teilweise aggressiv auftretenden Motorrad-Rockergruppen Tattoos. In anderen Ländern, beispielsweise in Japan, ist das Tattoo ein Zeichen der Zugehörigkeit zu mafiaähnlich organisierten Gruppen und deshalb in der Öffentlichkeit nicht geschätzt. In Deutschland ist das Tätowieren inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Polizeibeamte müssen ihrer verfassungsgemäßen Verpflichtung nach in der Öffentlichkeit so auftreten, dass sie Vertrauen erwecken. Die Frage, ob sich tätowierte Arme mit einem seriösen und neutralen Auftreten decken können, ist umstritten. 

BGH: Urteil, in dem es um verfassungsfeindliche Zeichen ging

Das letzte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Thema, das am 17.11.2017 verkündet wurde (Aktenzeichen 2 C 25/17) bestätigte wieder einmal die Vertreter der Ansicht, dass Tattoos nicht in den Polizeidienst passen. Allerdings ging es, wie fast immer, um Tätowierungen die verfassungswidrige Zeichen zeigten. Eine generelle Stellungnahme zur Tätowierung enthält das Urteil nicht. Wer sich also wertneutrale Tattoos machen lässt, beispielsweise die Namen von Frau und Kindern in besonderer Schrift, hat immer noch keinen Anhaltspunkt dafür, wie sich das auf seine Bewerbung für den Polizeidienst oder auf seine Tätigkeit als Polizist auswirkt.

Eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen vom 08.05.2018 zum Aktenzeichen 2 K 15637/17 gibt einem Polizeianwärter Recht, der ein großflächiges, aber weder aggressiv noch weltanschaulich polarisierend wirkendes Tattoo auf dem Unterarm trägt. Es handelt sich um einen Löwenkopf. Regelungen in einem dienstlichen Erlass, nach denen die Größe eines Tattoos entscheidend dafür sei, ob es bei einem Polizeibeamten hinnehmbar wäre, erkannten die Richter nicht als ausreichend an.
Verbotswirkung könne nur ein Gesetz haben. Gesetze greifen aber nach derzeitiger Rechtslage nur dann, wenn es sich bei den tätowierten Zeichen um verfassungsfeindliche Symbole handelt. Sexismus, Gewaltverherrlichung oder Rassismus sind mit den grundgesetzlich festgeschriebenen Verpflichtungen eines Beamten nicht vereinbar. Körperschmuck als solcher darf ihm jedoch nicht verboten werden