Einseitige Zuweisung einer Tätigkeit im Homeoffice durch Arbeitgeber ist rechtswidrig 

Die Richter am Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hatten sich mit der Frage zu beschäftigen, ob ein Arbeitnehmer die durch den Arbeitgeber einseitig zugewiesene Tätigkeit im Homeoffice aufgrund einer Betriebsschließung ablehnen darf und ob die in diesem Zusammenhang ausgesprochene Kündigung rechtswirksam ist.
Arbeitnehmer dürfen die Tätigkeit im Homeoffice nach einseitiger Zuweisung durch den Arbeitgeber ablehnen. Eine diesbezügliche Kündigung aus wichtigem Grund durch den Arbeitgeber ist unwirksam.Tätigkeiten im Homeoffice sind aufgrund der damit verbundenen Flexibilität bei den Arbeitnehmern beliebt. Häufig bitten Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber um die Erlaubnis, ihre Arbeitsleistung zumindest teilweise im Homeoffice verrichten zu dürfen. In vielen Fällen lehnen Arbeitgeber jedoch aus verschiedenen Gründen ab. Der Gesetzgeber beschäftigt sich gleichfalls vermehrt mit dieser Thematik.

In dem verhandelten Fall war die Situation jedoch genau andersherum gelagert. Der Kläger war als Ingenieur bei seinem Arbeitgeber tätig. Aufgrund einer bevorstehenden Betriebsschließung hatte der Arbeitgeber dem Kläger eine Tätigkeit im Homeoffice angeboten, die dieser jedoch ablehnte. Diese Ablehnung hatte „eine Kündigung aus wichtigem Grund“ wegen „beharrlicher Arbeitsverweigerung“ zur Folge.
Der Arbeitnehmer wehrte sich auf dem Klageweg gegen die Kündigung. Der Arbeitsvertrag sieht keine Regelungen hinsichtlich räumlicher oder sonstiger Veränderungen des Arbeitsplatzes vor. Alleine das gesetzlich geregelte Weisungsrecht berechtigt den Arbeitgeber jedoch nicht dazu, eine Tätigkeit im Homeoffice für seine Mitarbeiter zu verfügen. Die Ablehnung eines Telearbeitsplatzes ist nicht als beharrliche Arbeitsverweigerung einzustufen. Arbeitnehmer sind grundsätzlich nicht verpflichtet, auf Wunsch des Arbeitgebers ein Homeoffice einzurichten. Die Bedingungen eines Telearbeitsplatzes unterscheiden sich erheblich von denen eines betrieblichen Arbeitsplatzes.

Ebenso wie Arbeitnehmer keinen gesetzlichen Anspruch auf Telearbeit gegen den Arbeitgeber durchsetzen können, darf der Arbeitgeber Arbeitnehmer nicht durch einseitige Verfügung ins Homeoffice verbannen. In dieser Hinsicht greift das einseitige Weisungsrecht (§ 106 GewO) nicht, obwohl Arbeitgeber grundsätzlich den Arbeitsort der Angestellten bestimmen.
Das Argument, der Arbeitgeber könnte aufgrund einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf an einem Telearbeitsplatz interessiert sein, nicht behilflich. Lediglich, wenn die Tätigkeit im Homeoffice im Arbeitsvertrag geregelt ist, muss der Arbeitnehmer zustimmen. Anderenfalls drohen eine Abmahnung und/oder eine Kündigung.