Gibt es für deutsche Arbeitnehmer ein Recht auf Auszeit?

Viele langjährig Beschäftigte wünschen sich ein paar Monate oder ein ganzes Jahr fern vom Beruf, um sich zu erholen, sich fortzubilden oder einfach die Seele baumeln zu lassen. Angesichts steigender Burn-out-Fälle stehen auch manche Arbeitgeber dem sogenannten Sabbatjahr oder Sabbatical aufgeschlossen gegenüber. Besonders praktikabel ist ein Ansparmodell, bei dem der Arbeitnehmer einige Zeit bei reduziertem Gehalt die volle Arbeitsleistung erbringt. Diese Ersparnis wird auf die folgende freie Zeit angerechnet, sodass während des Sabbatjahrs weiter Gehalt gezahlt wird und der Sozialversicherungsschutz fortbesteht.

Ein genereller Rechtsanspruch besteht im deutschen Arbeitsrecht jedoch nicht. Ein Anspruch kann sich aus tarifvertraglichen Vereinbarungen ergeben, im öffentlichen Dienst regeln spezielle Gesetze ein Recht auf Auszeit. Einige Unternehmen der Privatwirtschaft haben auch entsprechende interne Bestimmungen getroffen. Wenn keine innerbetrieblichen oder tarifvertraglichen Regelungen bestehen, kann sich ein Anspruch daraus ergeben, dass der Arbeitgeber bereits anderen Mitarbeitern die Auszeit gewährt hat. Allerdings können sich Arbeitnehmer nur dann auf den Gleichbehandlungsgrundsatz berufen, wenn sie in einer vergleichbaren Position tätig sind und ähnliche Aufgaben erfüllen.

Sabbatjahr per Wiedereinstellungsvertrag vereinbaren

Die Parteien können sich jederzeit vertraglich auf ein Sabbatjahr einigen, das heißt, das Arbeitsverhältnis beenden und gleichzeitig einen Vertrag über die Wiedereinstellung schließen. Der Wiedereinstellungsvertrag regelt den Zeitpunkt und alle Modalitäten der Rückkehr, zum Beispiel, ob der Arbeitnehmer wieder auf seine vorherige Position zurückkehren kann. Falls kein Ansparmodell gewählt wird, kommt auch unbezahlter Urlaub in Betracht. Dann allerdings ist der Arbeitnehmer möglicherweise auf Arbeitslosenhilfe angewiesen und muss sich um seine Sozialversicherungen selbst kümmern. Außerdem tragen Arbeitnehmer bei allen Vertragsvarianten das Restrisiko, dass sie später ein langwieriges und kostenintensives Klageverfahren anstrengen müssen, falls der Arbeitgeber den Vertrag nicht erfüllt.

Alternativen: Kur oder Brückenteilzeit

Wenn sich die Unternehmensleitung nicht auf ein Sabbatjahr einlässt, kommt als kürzere Auszeit vielleicht eine Kur infrage, wenn der Hausarzt diese befürwortet. Weiterhin besteht die Möglichkeit, in Brückenteilzeit überzugehen. Mitarbeiter in Betrieben mit mindestens 45 Beschäftigten können drei Monate im Voraus einen Antrag auf Teilzeitarbeit für die Dauer von einem bis zu fünf Jahren stellen. Dem Antrag, der keiner Begründung bedarf, muss der Arbeitgeber im Regelfall entsprechen und darf ihn nur aus überzeugenden betrieblichen Gründen ablehnen.