Kein Lohnanspruch bei verspätetem Arbeitsantritt

Staus, rote Ampeln und Baustellen sind nur einige der Probleme, mit denen sich Pendler jeden Tag herumärgern müssen. Wer in einer ländlichen Region arbeitet, kann sich glücklich schätzen, denn hier gibt es weniger Verkehr, Staus, Ampeln und sogenannte Schwerpunkte, durch die alle hindurch müssen, die von A nach B fahren. Besonders schwierig ist die Fahrt im Bereich der Metropolregionen, über Autobahnen und im Stadtverkehr.

Staus, Baustellen und Unfälle sind an der Tagesordnung. Viele Arbeitnehmer kommen daher zu spät zur Arbeit mit der Entschuldigung, es habe mal wieder einen dieser „Megastaus“ gegeben, wo nichts mehr geht. Ein schwerer Unfall sei passiert und eine Vollsperrung eingerichtet worden. Der Mitarbeiter kommt vier Stunden zu spät zur Arbeit. Der Arbeitgeber muss dieses Zuspätkommen jedoch nicht tolerieren. Das deutsche Arbeitsrecht legt ganz klar fest: „Kein Lohn ohne Arbeit“. Der Arbeitnehmer hat demzufolge kein Anrecht auf Entlohnung für die vier versäumten Stunden Arbeitszeit. Für den juristisch unbedarften Laien hört sich das ungerecht an, denn schließlich hat der Arbeitnehmer den Unfall, den damit verbundenen Stau und die Vollsperrung auf der Autobahn ja nicht verursacht.

Staus, Unfälle, Streiks und Naturkatastrophen sind keine höhere Gewalt

Die deutsche Rechtsprechung kennt jedoch nur subjektive Gründe für einen verspäteten Arbeitsantritt an, nicht jedoch objektive Umstände. Wird der Arbeitnehmer zum Beispiel unverschuldet in einen Unfall verwickelt und kommt er deshalb zu spät zur Arbeit, bleibt der Lohnanspruch komplett bestehen. Der Grund des verzögerten Arbeitsantritts liegt in diesem Fall in der Person des Arbeitnehmers selbst. Objektive Gründe für ein Zuspätkommen werden dagegen nicht anerkannt. Unfälle, an denen der Arbeitnehmer nicht selbst beteiligt ist, Staus und Vollsperrungen sind objektive Umstände, die nicht auf die Person selbst zurückzuführen sind. Auch Eisglätte, Schneemassen, Hochwasser und Streiks in öffentlichen Verkehrsbetrieben werden nicht als höhere Gewalt eingestuft, denen der Arbeitnehmer hilflos ausgesetzt ist. Er trägt das sogenannte Wegerisiko, das heißt, die Verantwortung, unter allen Umständen pünktlich zum Arbeitsantritt in der Firma zu erscheinen. Anderenfalls kann der Arbeitgeber dem betroffenen Arbeitnehmer gemäß § 616 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) die Entlohnung für die versäumte Arbeitszeit verweigern.

Tritt eine Verspätung jedoch aufgrund der zuvor genannten extremen Umstände ein, einigen sich die Parteien meistens stillschweigend oder auf Kulanzbasis. Der Arbeitnehmer gleicht die versäumte Arbeitszeit entweder durch längere Arbeitszeiten nach Feierabend aus oder nimmt einen Überstundenausgleich vor.