Klinik haftet für Operationsfehler auch bei Zweitoperation

Macht ein Arzt bei einer Operation einen Fehler, haftet er für die Folgen. Wird zur Fehlerbeseitigung eine weitere Operation notwendig, haftet er auch für eventuelle Fehler, die bei dieser zweiten Operation passieren, soweit ein Ursachenzusammenhang besteht. Der Ursachenzusammenhang wird nicht dadurch unterbrochen, dass ein anderer Operateur in einer anderen Klinik die Revisionsoperation übernimmt. Nur unerwartet schwere Kunstfehler können die Kausalität ausnahmsweise beenden.
Das Oberlandesgericht Hamm hat am 15.11.2016 über die Berufung in einem Rechtsstreit um zwei fehlerhafte Operationen am Magen entschieden. Die Klägerin litt unter einer Fehllagerung des Magens, die zu Schmerzen führte. Eine Operation sollte die Fehlstellung korrigieren. Aufgrund fehlerhaft platzierter Nähte kam es direkt nach dem Eingriff wieder zur Verdrehung des Magens. Die Schmerzen dauerten an.

Nachdem der Fehler entdeckt worden war, willigte die Klägerin in eine Revisionsoperation ein, die allerdings nicht mehr in der Klinik der Beklagten und nicht vom ursprünglichen Arzt durchgeführt wurde. Dem zweiten Operateur unterlief ein weiterer Fehler. Die Aufhängung des Magens wurde nicht ordnungsgemäß ausgeführt, so dass es erneut zu Verdrehung.

Beide Operationen sind kausal verknüpft

Die Klägerin klagte auf Schmerzensgeldzahlung und auf Schadensersatzleistung für Haushaltskostenausfall für den gesamten Zeitraum ihrer Krankheit nach den beiden Operationen. Über das Vorliegen ärztlicher Kunstfehler stritten die Parteien nicht mehr. Die Beklagte lehnte jedoch die Verantwortlichkeit für den beim zweiten Eingriff, der außerhalb ihres Einwirkungsbereiches geschah, ab. Sie ging davon aus, dass die Kausalkette durch den Eingriff eines weiteren Arztes unterbrochen worden sei.

Das Oberlandesgericht Hamm hat nun klargestellt, dass eine Unterbrechung der Kausalitätskette, die eine Revisionsoperation mit der fehlerhaften Erstoperation verbindet, nur dann in Betracht kommt, wenn bei der zweiten Operation ein besonders grober Fehler geschieht. Im vorliegenden Fall sahen die Richter den Fehler nicht als derart ungewöhnlich an und gaben den von der Klägerin gestellten Forderungen weitgehend statt.