Sommerhitze führt nur im Extremfall zu freien Tagen

Bei hohen Außentemperaturen wünschen sich manche Arbeitnehmer ihre Schulzeit zurück. Zuverlässig konnten sie damit rechnen, hitzefrei zu bekommen, wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt Temperaturen von mehr als 25 Grad Celsius gemessen wurden.
Der erwachsene Arbeitnehmer hat, je nach Art seiner Tätigkeit, im Sommer mehr oder weniger unter hohen Temperaturen zu leiden. In Supermärkten, vielen Restaurants und Büroräumen der gehobenen Kategorie sorgen Klimaanlagen für Ausgleich. Hier muss und kann (!) auch an heißen Sommertagen ganz normal gearbeitet werden. Für Büroräume oder Sozialräume ohne Klimaanlage sieht die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) vor, dass die Temperaturen nicht über 26 Grad liegen dürfen, wenn außen eine Temperatur von höchstens 26 Grad gegeben ist.

Wird es draußen wärmer, liegt die Entscheidung im Ermessen des Arbeitgebers, der sich, falls vorhanden, mit dem Betriebsrat über geeignete Maßnahmen abstimmen muss (Mitbestimmungsrecht § 87 Absatz 1 BetrVG). Erreicht die Raumtemperatur 35 Grad Celsius, ist der Ermessensspielraum ausgereizt. In einem solchen Fall könnte die letzte verbleibende Möglichkeit darin bestehen, die Arbeitnehmer nach Hause zu schicken.

Obhutspflicht und geeignete Maßnahmen
Als geeignete Maßnahmen zwischen 26 Grad und 30 Grad kommen in Betracht:

Umsichtig Lüften und Räume vor Sonne schützen
Arbeitszeit in kühlere Bereiche des Tages verschieben
Kleiderordnung lockern (keine Sakkopflicht, Sandalen erlauben etc.)
Für ausreichend erfrischende Getränke sorgen (nicht nur Kaffee)

Getränke vom Arbeitgeber und eine lockere Kleiderordnung helfen auch denjenigen Arbeitnehmern, die aufgrund der Eigenart ihrer Tätigkeit immer mit Hitzeeinsätzen rechnen müssen. Wer auf dem Bau arbeitet oder zu einer Straßenbaukolonne gehört, muss auch bei hochsommerlichen Temperaturen weiterarbeiten. Der § 618 BGB bestimmt, dass gesundheitliche Belange des Arbeitnehmers bei seinem Arbeitseinsatz berücksichtigt werden müssen. Der Arbeitgeber hat eine Obhutspflicht.
Bestimmungen zum Arbeitsschutz müssen eingehalten werden. Solche Bestimmungen enthält die Baustellenverordnung (BaustellV). Auch auf der Baustelle gilt, dass ein Betriebsrat, wenn vorhanden, das Recht zur Mitbestimmung bei der Wahl von Arbeitsschutzmaßnahmen hat.
Weil ein Recht, die Arbeit wegen Hitze einzustellen, in Deutschland nur im absoluten Extrem-Ausnahmefall Aussicht auf Durchsetzung haben könnte, empfiehlt es sich, bei individueller Hitzeunverträglichkeit den Arbeitgeber aufzusuchen und eine individuallösung zu finden.