Stellenabbau, Sparmaßnahmen und Schließungen: Management und Betriebsrat einigen sich 

Erfolgsgeschichten sind selten geworden in der deutschen Modebranche. So auch bei der einstigen Erfolgsmarke Gerry Weber. Eine dreimonatige Schonfrist, um die „angespannte Finanzierungssituation zu stabilisieren“, läuft Ende Januar 2019 ab. Solange halten Banken und Schuldscheingläubiger ihre Forderungen offen, um dem Markenkonzern ausreichend Zeit für ein tragfähiges Sanierungskonzept zu geben. 
Gerry Weber äußerte sich bisher nicht direkt zu diversen Gerüchten, die über die Schließung von ungefähr 200 Filialen spekulierten. Eine „signifikante Anzahl von Stellen“ sowie der Abbau und die Schließung von Verkaufsflächen und Filialen seien von dieser Situation betroffen. Mehr als diese allgemeinen Formulierungen war von den Verantwortlichen bisher jedoch nicht zu hören.

Neben Entlassungen und Filialschließungen müssen auch die verbleibenden Mitarbeiter den sprichwörtlichen Gürtel enger schnallen, denn insgesamt sind mehr als zehn Millionen Euro einzusparen. Vorstandschef Johannes Ehlig setzt auf einen Sanierungstarifvertrag, der Urlaubs- und Weihnachtsgeld für einen Zeitraum von drei Jahren aussetzt. Damit befindet sich der Gerry Weber-Chef auf direktem Konfrontationskurs mit den Vertretern der Arbeitnehmer, dem Betriebsrat.

Die Einigung mit dem Betriebsrat kann Gerry Weber retten 
Nachdem der Betriebsrat zuerst Widerstand gegen diesen Vertrag angekündigt hatte, sei man dem Ziel, Gerry Weber zu retten, inzwischen jedoch ein Stück näher gekommen. Wie der Markenkonzern aus Halle/Westfalen bestätigt, hat sich das Management mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft geeinigt. Diese Einigung ist ein unverzichtbarer Schritt, um den Markenkonzern zu retten und ein tragfähiges Sanierungskonzept zu erarbeiten. Nur so kann eine Umschuldung auf Dauer gelingen. Erst vor wenigen Tagen musste der Konzern zugeben, dass sich der Verlust des laufenden Geschäftsjahres noch einmal um 42 Millionen Euro erhöht, was den Gesamtverlust auf 192 Millionen beziffert.

Hausgemachte Probleme 
Wie viele erfolgreiche Modemarken hat auch Gerry Weber den digitalen Wandel verschlafen und zu spät auf diese nicht mehr so ganz neue Entwicklung reagiert. Zu den hausgemachten Problemen gehören ein übertriebener Ausbau der Filialen und nicht mehr zeitgemäße Kollektionen. Den großen Online-Anbietern, die flexibel mit modernen Kollektionen auf Markttrends reagieren, kann Gerry Weber nichts entgegensetzen. Die Zukunft wird zeigen, ob der Modekonzern den digitalen Wandel meistert oder wie viele andere ehemals erfolgreiche Modemarken und Modekonzerne untergeht.